{"id":562,"date":"2022-03-19T18:14:40","date_gmt":"2022-03-19T17:14:40","guid":{"rendered":"https:\/\/test.akwg.rwth-aachen.de\/?page_id=562"},"modified":"2022-03-19T18:47:48","modified_gmt":"2022-03-19T17:47:48","slug":"4-akwg-tag-der-wissenschaftsgeschichte-2010","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/?page_id=562","title":{"rendered":"4. AKWG-Tag der Wissenschaftsgeschichte [2010]"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background\"><strong>Tag der Wissenschaftsgeschichte des AKWG der RWTH Aachen<\/strong><br><br><strong>Wissenskulturen<\/strong><br><br><strong>Bedingungen wissenschaftlicher Innovation<\/strong><br><br>Der n\u00e4chste Tag der Wissenschaftsgeschichte des AKWG der RWTH Aachen findet am 28.\/29. Oktober 2010 statt. Er wird vom Historischen Institut ausgerichtet und thematisiert eine der zur Zeit wichtigsten Fragen der Wissenschaftsorganisation und -politik: Wie entsteht wissenschaftliche Innovation? Dem Selbstverst\u00e4ndnis des AKWG entsprechend, nach dem wir Wissenschaftsgeschichte in einem weiteren Sinne \u2013 und eben nicht als blo\u00dfe Geschichte der wissenschaftlichen Disziplinen \u2013 begreifen, interessieren uns die gesellschaftlichen und institutionellen Voraussetzungen und Formen wissenschaftlicher Innovation. Die Tagung bietet mithin ein Forum f\u00fcr eine historisch informierte Auseinandersetzung \u00fcber eines der ureigensten Themen der Wissenschaft; sie erm\u00f6glicht \u2013 und erfordert zugleich \u2013 die Begegnung ganz unterschiedlicher Fachkulturen.<br><br>Wir haben drei Ideenfelder abgesteckt, auf denen sich die Diskussion abspielen soll:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Fachlogiken und Institutionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Habitus der Wissenschaftler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Internationaler Vergleich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Fachlogiken und Institutionen \u2013 drei Logiken der Wissensinnovation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background\">\u00a0\u00a0\u00a0 1. Wissensinnovation in kreativen Milieus<br><br>Diese Deutung verweist auf Wissen als Ergebnis von Kommunikationsverdichtungen, auf die Bedeutung \u201eherrschaftsfreier&#8220; kommunikativer \u201eMarktpl\u00e4tze&#8220; (die antiken Foren), das gemeinsame Nachdenken und die arbeitsteilige, z.T. interdisziplin\u00e4re Probleml\u00f6sung (Gro\u00dfforschungseinrichtungen vs. Individuum am Schreibtisch).<br><br>     2. Wissensinnovation als Resultat der inneren Fachlogik und medialen Wandels<br><br>Jede wissenschaftliche Disziplin ist so aufgestellt, dass sie den Wissensprozess vorantreibt. Dabei sind zumindest drei verschiedene Logiken zu unterscheiden:<br><br>a) Die textbasierten Wissenschaften (Philosophie, Mathematik, Architektur\u2026) , bei denen es im wesentlichen auf die Problemeingrenzung, das eigene Ged\u00e4chtnis, die Mu\u00dfe zum Nach-denken und den intensiven Diskurs ankommt.<br><br>b) Die quellenbasierten Wissenschaften (Geschichte, Wirtschafts- und Literaturwissen-schaften\u2026), die umfangreicher Bibliotheken bed\u00fcrfen, die Herkunft ihrer Materialien nachwei-sen m\u00fcssen und die ihren Informationswert vor allem durch die Verwendung neuer Doku-mente und neuer Lesarten erhalten.<br><br>c) Die Labor- und Feldwissenschaften, die ihre Daten selbst erzeugen, au\u00dferhalb ihrer jeweiligen Arbeitsumgebungen kein Forschen erm\u00f6glichen und auf \u201eInformationsgewinnungs- und -verarbeitungsapparate&#8220; angewiesen sind.<br><br>    3. Wissenschaftliche Innovation als Resultat sozialer Aushandlungsprozesse<br><br>Dabei geht es um die Herstellung von Reputation, um Disziplinbildung und Abgrenzung von anderen wissenschaftlichen Zug\u00e4ngen. Solchen Innovationsprozessen ist immer etwas Dra-matisches zu eigen. Sie verlaufen prozesshaft, beruhen vielfach auf B\u00fcndnisbildung au\u00dferhalb des Wissenschaftssystems, enden in einer Ausdifferenzierung der Wissenschaften und eta-blieren vielfach ein neues \u201eParadigma&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background\"><strong>2. Habitus<\/strong><br><br>Selbst- und Fremdwahrnehmung der Wissenschaftler\/-innen f\u00fchren den Betrachter zur Ebene der (bewussten oder unbewussten) Identifikation mit der jeweils eigenen Fachkultur und damit zugleich zur Differenzierung von anderen. Nicht nur wissenschaftliche Prinzipien, sondern auch (typische?) Verhaltensformen m\u00fcnden in die Distinktion einzelner Wissenschaftsbereiche und in einer engeren begrifflichen Fassung von \u201eKultur&#8220; auch zu einer Form von Wissen-schaftskulturen (im Plural!); gemeint sind spezifische Verhaltensweisen und Selbststilisierun-gen, die etwa den Geisteswissenschaftler vom Naturwissenschaftler oder vom Ingenieur unterscheiden \u2013 und das nicht nur am Arbeitsplatz. Solche habituellen Verortungen d\u00fcrften manchem interdisziplin\u00e4ren Vorhaben nicht in geringerem Ma\u00dfe im Wege stehen als unter-schiedliche Arbeitsmethodiken.<br><br>Es ist eine wichtige historische Frage, wann diese unterschiedlichen Formen von Wissenskul-turen sich herausbildeten, wann ein universales Bild des Gelehrten vom Disziplingelehrten abgel\u00f6st wurde, wann sich der Geisteswissenschaftler vom Naturwissenschaftler, Mediziner und Ingenieur schied und welche Bedeutung solchen habituellen Distinktionen bei der Ausdif-ferenzierung der Disziplinen zukommt. Mindestens ebenso aufschlussreich aber w\u00e4re es zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob es \u00fcber die F\u00e4chergrenzen hinweg so etwas wie gemeing\u00fcltige Projektionen von Wissenschaft und Gelehrsamkeit gibt, die sich von den Vorsokratikern bis zur Entdeckung der DNA-Struktur verfolgen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background\"><strong>3. Internationaler Vergleich<\/strong><br><br>Einen vergleichenden Einblick in verschiedene Wissenskulturen zu geben, bedeutet den jeweiligen Ursprung zu erkunden, Ziele und Forschungsgegenst\u00e4nde zu analysieren sowie Personen und \u201eSchulen&#8220; vorzustellen, die den wissenschaftlichen Diskurs mitbestimmen. Dies kann anhand der Leitfrage geschehen, ob \u00fcberhaupt in l\u00e4nderspezifischer Betrachtung so etwas wie eine \u201eEinheit der Wissenskulturen&#8220; existierte, wie sich das Verh\u00e4ltnis der g\u00e4ngigen gr\u00f6\u00dferen Wissenschaftsbereiche zueinander entwickelt und wie stark man sich an der Zielvor-stellung, Innovationen zu erreichen, ausrichtet. Dabei liegt eine Orientierung an folgenden Themenkomplexen nahe:<br><br>    1. Die theoretische Erfassung des Wissens<br><br>Zu fragen ist hier nach der Art und Weise, wie in verschiedenen L\u00e4ndern Europas und in den USA erkenntnistheoretische Probleme gewichtet und an Universit\u00e4ten operationalisiert worden sind, wie somit generell mit den Fragen umgegangen wird, wie Wissen zustande kommt, welche Erkenntnisprozesse wichtig sind und wie man Wissen identifizieren und sichern kann.<br><br>    2. Die Organisation wissenschaftlichen Arbeitens<br><br>Hier steht die Frage im Vordergrund, welche Techniken, Medien und Ordnungssysteme in wissenschaftlichen Prozessen zur Anwendung kommen.<br><br>    3. Die Institutionen der Wissenschaft, der Wissenschaftspolitik und der Wissensvermittlung<br><br>In historischer und kulturvergleichender Perspektive ist danach zu fragen, welche Bedeutung den jeweiligen politischen, religi\u00f6sen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Wissenschaftspolitik und die Organisation von Wissenschaft zukommt.<br><br>4. Formen des Einsatzes und des Gebrauchs von Wissen in Gesellschaften<br><br>Generell geht es dabei um den Funktionszusammenhang zwischen Wissen und Gesellschaft und die Frage, wie sich Wandel des Wissens auf den Wandel der jeweiligen Gesellschaft auswirken kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background\">Aachen, im April 2010<br><br><strong>Prof. Dr. Klaus Freitag, Prof. Dr. Armin Heinen,<\/strong><br><br><strong>Prof. Dr. Harald M\u00fcller, Prof. Dr. Christine Roll<\/strong><br><br>    Call for Papers: Wissenskulturen &#8211; Bedingungen wissenschaftlicher Innovation<br><br>    Bericht 2010: Wissenskulturen &#8211; Bedingungen wissenschaftlicher Innovation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag der Wissenschaftsgeschichte des AKWG der RWTH Aachen Wissenskulturen Bedingungen wissenschaftlicher Innovation Der n\u00e4chste Tag der Wissenschaftsgeschichte des AKWG der RWTH Aachen findet am 28.\/29. Oktober 2010 statt. 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