{"id":560,"date":"2022-03-19T18:14:27","date_gmt":"2022-03-19T17:14:27","guid":{"rendered":"https:\/\/test.akwg.rwth-aachen.de\/?page_id=560"},"modified":"2022-03-19T18:49:52","modified_gmt":"2022-03-19T17:49:52","slug":"3-akwg-tag-der-wissenschaftsgeschichte-2009","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/?page_id=560","title":{"rendered":"3. AKWG-Tag der Wissenschaftsgeschichte [2009]"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background\"><strong>Call for Papers: <\/strong>Sport, Wissenschaft und Technik (Walter Kaiser, Lehrstuhl f\u00fcr Geschichte der Technik, RWTH Aachen)<br><br>Au\u00dferhalb der Sportgeschichte geh\u00f6rt der Sport zurzeit noch nicht zu den bevorzugten Gegenst\u00e4nden der allgemeinen Geschichtswissenschaft. Mehr noch: Gro\u00dfe historische Epochen scheinen auf den ersten Blick kaum Ansatzpunkte zu bieten. Allenfalls die Ritterturniere des Mittelalters oder Volksvergn\u00fcgen, wie das Eislaufen in der fr\u00fchen Neuzeit, kommen in die N\u00e4he des modernen Sports. Sicherlich b\u00f6te die Geschichte der olympischen Spiele eine \u00e4u\u00dferst reizvolle Klammer weit entfernter historischer Epochen. Der politisch-historische Aspekt sollte jedenfalls unbedingt zu den Grundelementen einer wissenschafts- und technikgeschichtlichen Tagung zum Thema \u201eSport, Wissenschaft und Technik\u201c geh\u00f6ren. An dieser Stelle w\u00e4ren auch Verdr\u00e4ngungsprozesse zu diskutieren. Im Zuge der fortschreitenden Technisierung des modernen Sports verschwanden ganze Nationen aus den Startlisten, da sie hoch technisierte Sportarten auf internationalem Niveau nicht mehr finanzieren konnten. Au\u00dferdem w\u00e4re mit Blick auf die politische Dimension auf den Kalten Krieg zu verweisen, der zweifellos Technisierungssch\u00fcbe und somit einen eigenen R\u00fcstungswettlauf im Sport erlebt hat. Insbesondere k\u00f6nnte hier auch die institutionelle Seite erfasst werden. So w\u00e4re es reizvoll, die Rolle der Vereine, Verb\u00e4nde und der Sporthochschulen bei der fortschreitenden Technisierung des Sports zu untersuchen.<br><br>W\u00e4hrend der Sport aus der Sicht der Allgemeingeschichte m\u00f6glicherweise marginal erscheinen mag, ist es bemerkenswert, dass auch Wissenschafts- und Technikgeschichte sich mit dem Ph\u00e4nomen \u201eSport, Wissenschaft und Technik\u201c bislang wenig auseinandergesetzt haben. Und dies, obwohl sich der Sport vor allem im 20. Jahrhundert zu einem hochgradig technisierten und verwissenschaftlichten Feld menschlichen Handelns entwickelt hat. Unverkennbar ist zudem die wachsende wirtschaftliche Bedeutung.<br><br>Besonders augenf\u00e4llig sind dabei die massiven Umbr\u00fcche bei den Materialien der Sportger\u00e4te. Vergleichbar der Revolution im Flugzeugbau wurden auf breiter Front Holz, Leder und Naturfasergewebe durch Kunststoffe, faserverst\u00e4rkte Kunststoffe sowie Kunstfasergewebe verdr\u00e4ngt. Die neuen Materialien erlaubten wiederum leichte und hochfeste Strukturen wie Honeycomb und Sandwichbauweise. Solche komplexe Kompositstrukturen, die auch leichtes Hochleistungsmetall einschlie\u00dfen, beherrschen heute die Szene im Skibau, bei Tennisschl\u00e4gern, im Stabhochsprung, bei Booten und Segelflugzeugen. Die Sportartikelherstellung entwickelte sich in vielen F\u00e4llen gleichzeitig vom Handwerksbetrieb zu fabrikm\u00e4\u00dfigen Herstellungsverfahren und zur Massenproduktion (etwa bei der Skiherstellung).<br><br>Allerdings sollte der Tag der Wissenschaftsgeschichte nicht bei diesen Umbr\u00fcchen in den Materialien verharren. So ist vor allem zu fragen, wie die Materialien neue Formen bei den Sportger\u00e4ten erm\u00f6glichten, wie die neuen Materialien und Geometrien einen Wandel in den Bewegungsabl\u00e4ufen provoziert haben, die Leistungsgrenzen massiv verschoben, ungeahnte Schwierigkeitsgrade erschlossen und &#8211; begleitet von wachsender Risikobereitschaft &#8211; regelrechte Extremsportarten hervorgebracht haben. Au\u00dferdem ist zu konstatieren, dass die wissenschaftlich-technische Aufr\u00fcstung des Sports durch die daraus folgende \u00dcberforderung des Menschen aus dem Breitensport stammende Sportarten ins Abseits oder in Nischen man\u00f6vrierte (etwa das Windsurfen).<br><br>Bestandteil und Folge der Revolution der Materialien waren ferner eine tief reichende Verwissenschaftlichung von Sportger\u00e4t und Sport, die massive \u00c4nderung der Trainingsmethoden unter Einbeziehung von Bewegungsmechanik, Physiologie und Psychologie, einschlie\u00dflich der Pervertierung in der Nutzung medizinischen und pharmakologischen Wissens im Doping. Hierher geh\u00f6rt auch &#8211; wenngleich ethisch weniger angreifbar &#8211; das Training in extremen Klimata, zum Beispiel in Gestalt des H\u00f6hentrainings beim Rudern und als Vorbereitung beim H\u00f6henbergsteigen. Au\u00dferdem werden durch die umfangreichen Maschinenparks der Kraftr\u00e4ume unabh\u00e4ngig vom Wetter \u201enat\u00fcrliche\u201c Belastungen simuliert. Nachdem offensichtlich Sportger\u00e4t und Sportler massiv durch Wissenschaft und Technik geformt und verformt werden, ist es ebenso deutlich, dass die Technik im Sport zu wuchtigen Bauten, zu parkartigen Sportst\u00e4tten mit hohem Landschaftsverbrauch und schlie\u00dflich zu riesigen synthetischen Sportlandschaften gef\u00fchrt hat, \u2013 die zusammen mit zunehmenden Transportbed\u00fcrfnissen markante \u00f6kologische Risiken nach sich ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einzelne Themenbereiche k\u00f6nnten sein:<\/p>\n\n\n\n<p>Geschichte der olympischen Spiele \u2013 Antike und Neuzeit<\/p>\n\n\n\n<p>Wiederentdeckung des Leistungssports in der Neuzeit? Ger\u00e4te und Mentalit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einf\u00fchrung von Hightech-Materialien in den Bau von Sportger\u00e4ten<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4sthetische Wirkung neuer Materialien<\/p>\n\n\n\n<p>Sport, Sportger\u00e4t und Kunst<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wandel von Sportarten durch neues Ger\u00e4t<\/p>\n\n\n\n<p>Sportanlagen und ihre Technik, etwa im Vergleich der Olympischen Spiele 1936 und 1972<\/p>\n\n\n\n<p>Fu\u00dfball: Massensport, Verkehrsinfrastruktur, Medienereignis und Wirtschaftsfaktor<\/p>\n\n\n\n<p>Maschinisierung des Trainingsger\u00e4tes &#8211; zwischen Therapie und Fitnessstudio<\/p>\n\n\n\n<p>Industrialisierung der Sportger\u00e4teherstellung<\/p>\n\n\n\n<p>Verwissenschaftlichung und Technisierung der Trainingsmethoden<\/p>\n\n\n\n<p>Messung von Weg und Zeit im Sport<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rolle von Pharmazie und Medizin im Sport<\/p>\n\n\n\n<p>Pervertierung der \u201eheilenden\u201c Funktion von Pharmazie und Medizin im Doping<\/p>\n\n\n\n<p>Mensch-Maschine-Schnittstellen in komplexen sporttechnischen Systemen (Segelyachten, Segelflugzeuge &#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p>Rolle der Verb\u00e4nde und der Sportwissenschaft f\u00fcr die Technisierung des Sports<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background\">Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Referate werden bis zum 30. April 2009 an folgende Adresse erbeten:<br><br>Prof. Dr. Walter Kaiser, Lehrstuhl f\u00fcr Geschichte der Technik<br><br>RWTH Aachen, <a href=\"mailto:kaiser@histech.rwth-aachen.de\">kaiser@histech.rwth-aachen.de<\/a><br><br>Programm des 3. AKWG-Tag der Wissenschaftsgeschichte [PDF]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Call for Papers: Sport, Wissenschaft und Technik (Walter Kaiser, Lehrstuhl f\u00fcr Geschichte der Technik, RWTH Aachen) Au\u00dferhalb der Sportgeschichte geh\u00f6rt der Sport zurzeit noch nicht zu den bevorzugten Gegenst\u00e4nden der allgemeinen Geschichtswissenschaft. Mehr noch: Gro\u00dfe historische Epochen scheinen auf den ersten Blick kaum Ansatzpunkte zu bieten. Allenfalls die Ritterturniere des Mittelalters oder Volksvergn\u00fcgen, wie das &hellip;<\/p>\n<p class=\"read-more\"> <a class=\"\" href=\"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/?page_id=560\"> <span class=\"screen-reader-text\">3. AKWG-Tag der Wissenschaftsgeschichte [2009]<\/span> Weiterlesen &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"default","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","footnotes":""},"class_list":["post-560","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=560"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/560\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":619,"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/560\/revisions\/619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}