{"id":556,"date":"2022-03-19T18:13:45","date_gmt":"2022-03-19T17:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/test.akwg.rwth-aachen.de\/?page_id=556"},"modified":"2022-03-19T18:56:14","modified_gmt":"2022-03-19T17:56:14","slug":"interdisziplinaeres-symposium-2009","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/akwg.rwth-aachen.de\/?page_id=556","title":{"rendered":"Interdisziplin\u00e4res Symposium [2009]"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background wp-block-paragraph\"><strong>Call for Papers: Blut. Die Kraft des ganz besonderen Saftes in Medizin, Literatur, Geschichte und Kultur<\/strong><br><br><strong>Interdisziplin\u00e4res Symposium, 03.-04.07.2009<\/strong><br><br><strong>Thema<\/strong>:<br>15.-16. Januar 2009<br><br>Ziel des von der Gerda Henkel-Stiftung gef\u00f6rderten Symposiums ist eine kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem konkreten, \u00fcber kulturelle, fachliche und zeitliche Grenzen hinaus wirksamen Deutungsmuster von Blut: n\u00e4mlich von Blut als dem Spender und \u00dcbertr\u00e4ger von Kraft.<br><br>Intensiv diskutiert wird gegenw\u00e4rtig in Medizin und Medien eine moderne Version des Umgangs mit \u201ekraftvollem Blut\u201c: Im Radsport ist Blutdoping seit einigen Jahren ein Faktum. Vollblut (eigenes oder fremdes) oder Zubereitungen, die rote Blutk\u00f6rperchen bzw. k\u00fcnstliches Erythropoetin enthalten, werden verabreicht, damit Sportler \u2013 bedingt durch einen h\u00f6heren Sauerstofftransport im Blut \u2013 bessere Leistungen erbringen k\u00f6nnen. Abseits dieses leistungsorientierten Umgangs mit Blut im Spitzensport, dem konkrete wissenschaftlich-medizinische Erkenntnisse \u00fcber die Kraft des Blutes zugrunde liegen, werden regelm\u00e4\u00dfig alternativmedizinische bzw. popul\u00e4rwissenschaftliche Ratgeber \u00fcber angebliche \u201eSiegesstoffe\u201c im Blut ver\u00f6ffentlicht, mit denen therapeutische Wirkungen erzielt, aber auch ein \u201eEnhancement\u201c physischer und mentaler F\u00e4higkeiten erm\u00f6glicht werden soll. Sie fallen in den Bereich der Di\u00e4tetik bzw. des boomenden Marktes der Nahrungserg\u00e4nzungsmittel.<br><br>Der aktuelle Umgang mit Blut als Motor der menschlichen Vitalkraft geht indessen auf eine kultur\u00fcbergreifend wirksame Tradition zur\u00fcck, die sich erst in der interdisziplin\u00e4ren, f\u00e4cher\u00fcbergreifenden\u00a0 Auseinandersetzung vollst\u00e4ndig erschlie\u00dft:<br><br>Blut gilt seit Jahrtausenden in vielen Kulturen als heilig. Ihm werden magische und heilende Kr\u00e4fte zugeschrieben und es steht f\u00fcr den Ur- bzw. Kraftstoff des Lebens. Die Schulmedizin wies der Mischung der K\u00f6rpers\u00e4fte\u00a0 \u2013 und damit auch dem Blut \u2013 bis weit in die Neuzeit hinein ma\u00dfgebliche Bedeutung bei der Entstehung von Krankheiten und deren Therapien zu (\u201eHumoralpathologie\u201c), und auch in alternativmedizinischen bzw. in volksgl\u00e4ubischen Praktiken wird vielfach auf Blut als Heilmittel rekurriert. Hier tritt h\u00e4ufig ein weiterer Aspekt hinzu: Im Blut liegt nicht nur physische, sondern auch \u201eSeelenkraft\u201c, weshalb nicht nur k\u00f6rperliche Gebrechen durch fremdes Blut geheilt, sondern auch bestimmte F\u00e4higkeiten und Charakterz\u00fcge des Spenders auf den Empf\u00e4nger \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Auch in diesem Zusammenhang gilt Blut als Stoff mit besonderen Eigenschaften und als besonders wertvolle Ressource.<br><br>Die Forschung hat sich bisher sowohl mit physischen als auch mit kulturell-historischen Aspekten des Blutes besch\u00e4ftigt und dabei auch einige negative Konnotationen des Blutes untersucht. Dabei wurde die Deutung von Blut als \u201eKraftspender\u201c zwar vielfach ber\u00fchrt, bislang fehlen jedoch systematische interdisziplin\u00e4re, \u00fcber zeitliche, kulturelle und F\u00e4chergrenzen hinausweisende Untersuchungen zu ebendiesem Aspekt. Dazu ist eine gr\u00f6\u00dfere Vernetzung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften einerseits sowie zwischen historischen und an der Gegenwart bzw. der Zukunft ausgerichteten Wissenschaften andererseits erforderlich. Die Vorstellung, dass dem Blut eine ganz besondere Kraft inne wohnt, die \u00fcbertragbar und nutzbar ist, l\u00e4sst sich in vielen Kulturkreisen, Epochen und Disziplinen wiederfinden, unterliegt jedoch zugleich verschiedenen Deutungen, Zugriffen und Interpretationen. Umso bedeutsamer erscheint ein transdisziplin\u00e4rer Austausch von Wissenschaftlern, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven (Medizin, Medizingeschichte, Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte und Theologie) und mit verschiedenen methodischen Herangehensweisen mit der physischen, symbolischen oder mythischen Kraft des Blutes auseinandersetzen.<br><br>Das Symposium m\u00f6chte im interdisziplin\u00e4ren Dialog Fragen, Probleme und Entwicklungstendenzen in der Deutung von Blut als \u201eKraftstoff\u201c an der Nahtstelle von Medizin, Geschichte, Religionswissenschaft, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft und Ethnomedizin definieren und ein noch junges Forschungsfeld sondieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fokus des Symposiums stehen dabei folgende Fragen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Welcher medizinisch belegbare Zusammenhang besteht zwischen realen physischen Gegebenheiten des Blutes und jener magischen, heilenden Kraft, die dem Blut \u00fcber Jahrhunderte in der Volksmedizin zugeschrieben wurde bzw. wird?<\/li><li>Welche Bedeutung hat die M\u00f6glichkeit des Blutdopings f\u00fcr die Wahrnehmung des menschlichen K\u00f6rpers und seiner eigentlichen Leistungsgrenzen in Medien und Gesellschaft? Findet es Entsprechungen in fr\u00fcherer Zeit, lassen sich Analogiebildungen ausmachen?<\/li><li>Existieren kulturelle, religi\u00f6se, soziale, volksmedizinische oder schulmedizinische K\u00f6rperkonzepte, in denen dem Blut (bestimmter Personengruppen) eine besondere Heilkraft zugeschrieben wird? Gibt es Unterscheidungen nach Geschlecht oder Rasse?<\/li><li>Welche Konnotationen hat die Kraft des Blutes in den Weltreligionen? Wo findet sich eine Analogisierung von Blut mit dem Leben bzw. mit der Seele? Warum darf im Judentum nicht wie in anderen Kulturen Blut verzehrt werden? Was beinhaltet die Transsubstantiation von Brot und Wein in einer christlichen Messe? Finden sich im religi\u00f6sen Kontext Tendenzen eines Wandels im Umgang mit Blut?<\/li><li>Welche Aspekte des rituellen Gebrauchs der Kraft des Blutes finden wir in der \u00e4sthetischen Performanz, etwa in der Bildenden Kunst oder in der Musik?<\/li><li>Welche semantischen und\/oder \u00e4sthetischen Analogien gibt es zwischen Blut und Geld? Inwiefern wird die Kraft des Blutes mit der Macht des Geldes parallelisiert?<\/li><li>Welche vorherrschenden Konnotationen besitzt Blut in der modernen Wissensgesellschaft? Welche Entwicklungstendenzen lassen sich hier ausmachen?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background wp-block-paragraph\"><strong>\u00a0Wissenschaftliche Zielsetzung<\/strong><br><br>Das Symposium dient dem inter- und transdisziplin\u00e4ren Austausch unter Experten. Das besondere Augenmerk soll nicht auf den fachinternen Diskurs, sondern auf die Vernetzung von Natur- und Geisteswissenschaften, von historisch und gegenwartsbezogen arbeitenden Wissenschaften gerichtet werden. Grenzen bisheriger Untersuchungen, in denen kaum eine Integration natur- und geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse ber\u00fccksichtigt wird, sollen \u00fcberwunden werden. Die gegenseitige Information \u00fcber fachspezifische Aspekte der Forschung zum Thema soll w\u00e4hrend der Tagung zum Dialog zwischen Wissenschaftlern f\u00fchren, deren Disziplinen sich nach traditioneller Auffassung gegen\u00fcberstehen.<br><br>Die \u00fcbliche systematische Aufspaltung von Geistes- und Naturwissenschaften soll im Tagungskonzept durchbrochen werden. Es gilt, in der interdisziplin\u00e4ren Auseinandersetzung mit dem Thema \u201eDie Kraft des Blutes\u201c Natur- und Geisteswissenschaftler gezielt zusammenzuf\u00fchren, die Schnittstellen beider Bereiche herauszustellen und zu vertiefen: Wissenschaftler unterschiedlicher Orientierung bilden nach Abschluss des Symposiums ein Forschungsnetzwerk, in dem Natur- und Geisteswissenschaftler den interdisziplin\u00e4ren Diskurs fortsetzen. Die Ergebnisse des Symposiums sollen in einem Tagungsband publiziert werden.<br><br>Tagung und Proceedingsband sollen ihrerseits als Kristallisationskern f\u00fcr ein transdisziplin\u00e4res Forschungsvorhaben zum Themenbereich \u201eBlut als Spender und \u00dcbertr\u00e4ger von Kraft\u201c dienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-6-background-color has-background wp-block-paragraph\"><strong>Zeitpunkt und Ort<\/strong><br><br>03.-04.07.2009 (zweit\u00e4giges Symposium)<br>Skillslab des Instituts f\u00fcr Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Medizinische Fakult\u00e4t, RWTH Aachen<br><br><strong>Tagungsleitung<\/strong><br><br>Dr. phil. Christine Knust (Federf\u00fchrung)<br>Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. phil. Dominik Gro\u00df<br><br>Wir freuen uns \u00fcber Vortragsvorschl\u00e4ge.<br><br>Interessenten sollten ein Abstract von ca. 1-2 Seiten und einen kurzen Lebenslauf bis zum 31.04.09 schicken an<br><br>cknust@ukaachen.de oder <a href=\"mailto:dgross@ukaachen.de\">dgross@ukaachen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Call for Papers: Blut. Die Kraft des ganz besonderen Saftes in Medizin, Literatur, Geschichte und Kultur Interdisziplin\u00e4res Symposium, 03.-04.07.2009 Thema:15.-16. 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